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Objektiv & subjektiv – Unterschiede & Bedeutung

„Der Unterschied zwischen Landschaft und Landschaft ist klein, doch groß ist der Unterschied zwischen den Betrachtern.“ – Ralph Waldo Emerson

Wir Menschen können ein und dieselbe Sache, ganz gleich, ob es sich um ein Objekt oder einen Sachverhalt handelt, komplett unterschiedlich betrachten. Prinzipiell ist alles eine Frage des Blickwinkels. Was uns zu den Begriffen Subjektivität und Objektivität führt.

Subjektivität

Spricht man von Subjektivität, betrachtet man alles Mögliche aus der eigenen Perspektive heraus und bildet sich seine individuelle Meinung. Es kann eine Situation, eine Annahme, ein Gerücht, einen Glauben oder einen Menschen betreffen. Die Verarbeitung und Bewertung von Reizen ist von zahlreichen äußeren und inneren Faktoren abhängig und somit subjektiv. Dabei spielen nicht nur die persönlichen Gefühle, Vorlieben, vergangene Erfahrungen, Erkenntnisse und Meinungen, sondern auch der Instinkt und die momentane Befindlichkeit eine Rolle in der Betrachtung. Auch die Erziehung und die Umgebung, in der das Individuum aufgewachsen ist, sind von Bedeutung, denn diese prägen den Menschen am stärksten. Es handelt sich bei Subjektivität demnach um eine Interpretation des Betrachters, die voreingenommen ist und das Urteil anderer Menschen beeinflusst. Eine allgemeingültige Wahrheit gibt es nicht. Sie unterscheidet sich von Individuum zu Individuum, denn jeder Mensch nimmt seine Umwelt auf eine ganz individuelle Art und Weise wahr.

Hier einige Beispiele:

„Der Mann sieht alt aus.“ ist eine sehr subjektive Aussage, denn für die einen bedeutet „alt“ 40 Jahre, für andere 80 Jahre. Dies steht im Normalfall mit dem eigenen Alter und der persönlichen Empfindung in Zusammenhang.

„Das Mädchen kennt keine Benimmregeln.“ Hier interpretiert jedermann Benehmen anders. Manche legen großen Wert auf das Händereichen beim Begrüßen, andere wiederum darauf, dass mit vollem Mund nicht gesprochen wird.

Der Satz „Die Frau hat ein top Auto.“ ist ebenfalls sehr individuell zu betrachten, denn welche Kriterien dazu führen, dass man etwas als gut erachtet, variiert von Mensch zu Mensch.

Subjektive Aussagen werden im Alltag dauerhaft getroffen. Es gibt kaum einen Moment im Leben, wo wir nicht subjektiv bewerten. Wir mögen etwas, finden jemanden sympathisch, leiden unter Schmerzen oder haben eine Situation erlebt, die wir anderen wiedergeben. All das liegt im Auge des Betrachters und ist dementsprechend subjektiv. In jeglichen Arten von Marketingpräsentation, Interpretationen, Blogs und Kommentaren in sozialen Netzwerken sind sie vorzufinden.

Objektivität

Das Gegenteil von Subjektivität ist Objektivität. Wird von dem Wort „objektiv“ gesprochen, ist eine völlig unvoreingenommene und unparteiische Aussage gemeint. Ein bestimmter Sachzusammenhang wird dabei ohne Einflussnahme von den persönlichen Erfahrungen, Gefühlen, Vorlieben und Meinungen bewertet. Der Betrachter nimmt einen sachlichen und neutralen Standpunkt ein. Er gibt sich wertfrei und ohne jegliche Vorurteile.
Eine Aussage gilt dann als objektiv, wenn sie sich durch Fakten, Daten oder Argumente beweisen lässt und dementsprechend unbestreitbar ist. Objektive Informationen sind also nachweisbar, messbar und beobachtbar.

Häufig ist der Begriff „Objektivität“ Gegenstand heftiger Diskussionen. In der Praxis ist es nämlich nahezu unmöglich, etwas vollkommen objektiv zu bewerten, da man permanent von seiner eigenen Wahrnehmung beeinflusst wird. Objektive Aussagen lassen sich in den Naturwissenschaften und Lehrbüchern finden. Doch selbst bei einem scheinbar objektiven naturwissenschaftlichen Experiment gibt es subjektive Komponenten, wie beispielsweise die Auswertung der Ergebnisse. Weitere objektive Daten sind zum Beispiel das Alter, der Blutzuckerwert eines Menschen oder die Literangabe eines Messbechers.

Es gibt diverse Situationen, wo Objektivität zwingend notwendig ist. Sowohl beim Beurteilen des Polizisten eines Sachverhaltes im Straßenverkehr als auch beim Bewerten von Schularbeiten des Lehrers. Ein Beispiel, welches wir wohl alle aus unserer Kindheit kennen, ist die mündliche Bewertung im Unterricht. Verhalten sich zwei Schüler jede Schulstunde nahezu identisch, müssten, objektiv betrachtet, beide die gleiche Note erhalten. Subjektiv betrachtet, kann aufgrund der pädagogischen Beurteilung des Lehrers, der eine Schüler hingegen eine schlechtere Note bekommen, da er früher besser mitgearbeitet hat und somit motiviert werden könnte in Zukunft mehr Gas zu geben. Der Lehrer schätzt den Schüler also individuell ein und bezieht sich auf seine bisherigen Erfahrungen mit diesem.
Beim Aufeinandertreffen unbekannter Menschen lässt sich darüber streiten.

Einerseits sollten sie objektiv betrachtet werden, denn unabhängig von dem, was man meint zu sehen oder zu hören bekommen hat, kann die Wahrheit stark abweichen. Das Streben nach Objektivität kann uns vor Fehlurteilen und Voreingenommenheit behüten. Allerdings kann uns in einigen Fällen aber auch die eigene Intuition vor Gefahren und eventuellen Enttäuschungen bewahren.

Ganz besonders bei Nachrichtenquellen ist Objektivität das A und O. Man sollte alles, was man liest, selbst hinterfragen und sich auf die Fakten konzentrieren. Menschen neigen dazu Einzelheiten wegzulassen, zu viel zu interpretieren und Dinge oftmals entweder überspitzt oder untertrieben darzustellen.
Nicht umsonst heißt es: „Verändere die Betrachtungsweise von Dingen und die Dinge, die du betrachtest, werden sich verändern.“ – Wayne Dyer

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